Johann Hornschall

Straßenbahner. Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime. Hingerichtet.

* 1903    † 1943

 

Lebenslauf

Johann Hornschall wurde am 13.4.1903 in Wien geboren. Er arbeitete als Straßenbahner. 1918 trat er der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreich bei und war Vertrauensmann in Wien-­Floridsdorf. Von 1920- 1928 war er beim österreichischen Bundesheer, danach bei den Wiener Verkehrsbetrieben.

Teilnehmer an den Februarkämpfen, Literaturmann der KPÖ

1934 war Johann Hornschall Teilnehmer an den Februarkämpfen. Er agierte als Literaturmann der KPÖ am Straßenbahn-Betriebsbahnhof Floridsdorf.

Widerstand, Verhaftung, Todesurteil

Am 18. 5. 1941 wurde Johann Hornschall verhaftet und am 15. 1. 1943 zum Tode verurteilt. Am 16.6.1943 erfolgte im Landesgericht I in Wien seine Hinrichtung.

Aus dem Urteil

„Im Frühsommer 1938 nahm der Angeklagte Beziehungen zu dem ihm befreundeten und von früher her als S[DA]PÖ-Mitglied bekannten Matthias Pista, genannt ’Weber‘ oder ’der Weiße‘, auf. Beide trafen sich wiederholt und erörterten politische Fragen. Als Pista ihn bei einer dieser Gelegenheiten zur Mitarbeit in der im Aufbau begriffenen illegalen KPÖ aufforderte, erklärte der Angeklagte sich dazu bereit. Er wurde auch alsbald tätig. So warb er im Sommer 1938 den damaligen Straßenbahnschaffner Magrutsch (späterer Deckname ’Fuchs‘, auch ’Hoder‘) und beauftragte ihn, unter den Straßenbahnangestellten in Floridsdorf eine kommunistische Betriebszelle zu gründen und dort Spenden zu sammeln. Auch die ihm von früher her bekannte Ehefrau Adolfine Mikes (’Irma‘) zog er zur Mitarbeit heran.“

Gedenktafel, Mahnmal, Denkmal

Sein Name steht auf einer 1946 von der KPÖ-Floridsdorf gestifteten Gedenktafel (jetzt: Wien 21, Galvanigasse 15-17); ebenso auf dem am 2. 8. 1947 enthüllten Mahnmal im Straßenbahn-Betriebsbahnhof Floridsdorf (Wien 21, Gerichtsg. 5), das 1984 neu gestaltet wurde; und auf dem 1953 enthüllten Denkmal am Straßenbahn-Betriebsbahnhof Erdberg (Wien 3, Erdbergstr. 202).

Gedenkort - Landesgericht für Strafsachen Wien

Im ehemaligen Hinrichtungsraum des Landesgericht für Strafsachen Wien findet sich sein Name auf einer der Gedenktafeln.

Gedenkort - Gruppe 40, Zentralfriedhof

In der Gruppe 40 wurden die im Wiener Landesgericht Hingerichteten beerdigt. 2013 wurde die Gruppe 40 zur Nationalen Gedenkstätte erklärt.

Quellen und Bildnachweise

  • Willi Weinert, "Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer". 4. Auflage Wiener Stern Verlag, 2017
  • Porträtbild: Willi Weinert oder Wiener Stern Verlag
  • Bild Fallbeil/Guillotine: Leihgeber Kurt Brazda
  • Andere Bildrechte: Angabe bei Anklicken des Bildes (Bildinformation)
  • Andere Bilder: Privatbesitz oder Verein Zur Erinnerung

Porträt erstellt von Jürgen Heimlich, Verein Zur Erinnerung, auf Basis der angegebenen Quellen.

Weiterführende Informationen

  • DÖW Katalog zur permanenten Ausstellung. Hg. v. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, Wien 2006
  • Wolfgang Neugebauer, Der österreichische Widerstand 1938-1945, Wien 2008
  • Die Geschichte des Grauen Hauses und die österreichische Gerichtsbarkeit, Wien 2012
  • DÖW (Hg.) Widerstand und Verfolgungen in den österreichischen Bundesländern (Wien, Burgenland, Oberösterreich, Tirol, Niederösterreich, Salzburg), Wien 1975-1991
  • Heinz Arnberger, Claudia Kuretsidis-Haider (Hg.) Gedenken und Mahnen in Niederösterreich. Erinnerungszeichen zu Widerstand und Verfolgung, Exil, Befreiung, Wien 2011
  • Brigitte Bailer, Wolfgang Maderthaner, Kurt Scholz (Hg.), „Die Vollstreckung verlief ohne Besonderheiten“, Wien
  • Herbert Steiner, Gestorben für Österreich. Widerstand gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1995
  • Herber Steiner, Zum Tode verurteilt: Österreicher gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1964
  • Willi Weinert, „Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer“. Biografien der im Wiener Landesgericht hingerichteten WiderstandskämpferInnen gegen das NS-Regime. Ein Führer durch die Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof. 4. Auflage Wiener Stern Verlag 2017
  • Lisl Rizi, Willi Weinert, „Mein Kopf wird euch auch nicht retten“. Korrespondenzen österreichischer WiderstandskämpferInnen aus der Haft. 4 Bände. Wiener Stern Verlag 2016

Web-Hinweise


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